Evaluation im Überblick

Was ist Evaluation?

Evaluation ist die Begutachtung und Bewertung von Systemen, Programmen und Maßnahmen.

Das Spektrum der Gegenstände, die evaluiert werden können, reicht von ingenieurwissenschaftlichen Modellen der Flugsimulation über politische Systembeziehungen oder Gesetze bis hin zu sozialpädagischen Inklusionsmaßnahmen.

Entsprechend haben es Evaluationen mit Gegenstandsdaten zu tun, die so groß sind, dass sie nur in abstrakten Zahlenkategorien dargestellt werden können (beispielsweise Bevölkerungsdaten oder Messdaten zur strukturellen Entwicklung von Grönlandeis). Evaluationen haben es aber auch mit Daten zu tun, die überhaupt keine Zahlen, sondern kulturelle oder soziale Werte enthalten (beispielsweise die Bedeutung geteilter Erinnerungen eines Bergsteigerteams oder das Lachen eines schwerstkranken Kindes).

Für Evaluationen steht ein Instrumentarium zur Verfügung, aus welchem für die Evaluation geeignete Instrumente jeweils ausgewählt werden. Hierbei handelt es sich um Evaluationsleitlinien und -standards  sowie um qualitative und quantitative sozialwissenschaftliche Methoden.

Für die Länder Deutschland und Österreich treibt die Deutsche Gesellschaft für Evaluation (DeGEval e.V.) die Professionalisierung von Evaluation maßgeblich voran.

Evaluator ist keine im juristischen Sinne geschützte Berufsbezeichnung. Evaluatoren beziehen ihre Fachkompetenzen überwiegend aus der Psychologie, der Soziologie und aus sozialwissenschaftlichen Disziplinen wie beispielsweise der Kommunikationswissenschaft.

Anwendungsfelder von Evaluation

In zahlreichen Sektoren werden Evaluationen durchgeführt. Das Spektrum der Anwendungsfelder ist ebenso groß und vielseitig wie das Spektrum der Arten von Evaluationen.

Einige Anwendungsfelder, in denen Evaluationen durchgeführt werden (müssen):

• Arbeitsmarkt und Personalpolitik
• Bildungswesen
• Gesundheitswesen
• Kultur- und Sozialwesen
• Medizin
• Personalwesen
• Stadt- und Regionalentwicklungswesen
• Technologie- und Energiepolitik

Motive für Evaluation

Evaluationsvorhaben sind höchst unterschiedlich motiviert. Personen und Funktionsgruppen, die Teil des Evaluationsgegenstands sind, können, müssen aber nicht diejenigen sein, die eine Evaluation wünschen und in Auftrag geben.

Evaluationen bringen neue Erkenntnisse über ihren Gegenstand hervor. Ein Erkenntnisgewinn versetzt in die Lage, Änderungen und Entwicklungen des Gegenstands herbeizuführen. Evaluationen haben insofern eine Erkenntnisfunktion und eine Förderfunktion. Daneben erfassen und dokumentieren Evaluationen Prozesse und Kontexte ihres Gegenstands. Beispielsweise werden Arbeitsmethoden und Arbeitsergebnisse in einen kausalen Zusammenhang gesetzt, nachvollziehbar und vergleichbar gemacht, was ihrer Rechtfertigung und ihrer Wettbewerbsfähigkeit dienen kann. Evaluationen haben hierdurch also auch eine Rechenschaftsfunktion und eine Qualitätssicherungsfunktion. Grundsätzlich wird über Evaluation eine höhere Transparenz und Sicherstellung des Wissens über den Gegenstand und über dessen Effekte erreicht, insofern – bezogen auf die Effekte und nicht auf das evaluierte Programm selbst – ebenfalls eine Kontrollfunktion vorliegt.

Formen von Evaluation

Evaluationen können zu Beginn der Planungsphase, auf jeden Fall aber vor dem erstmaligen Einsatz (ex-ante) einer Maßnahme eingesetzt werden. Diese Ex-ante-Evaluationen tragen dazu bei, die geplante Maßnahme bspw. hinsichtlich deren Konzepts, deren Zielerreichungschancen oder Finanzierbarkeit bereits im Vorfeld einschätzen und steuern zu können.

Evaluationen können synchron zu ihrem laufenden Gegenstand (ongoing) mitlaufen. Interaktiv involvieren sie sich in das Geschehen und steuern es in die gewünschte Richtung. In Form von Zwischenergebnissen liefern Ongoing-Evaluationen Erkenntnisse über die Qualität des laufenden Evaluationsgegenstands.

Evaluationen können Ergebnisse und Nachhaltigkeit einer Maßnahme aus einer späteren Perspektive (ex-post) beurteilen. Sie beziehen sich auf die angestrebten und unvorhergesehenen Resultate. Zur Vorbereitung einer Fortführung der Maßnahme können Ex-post-Evaluationen formativer Art sein. Als Abschlussevaluation sind sie in der Regel summativer Art.

Zur Geschichte der Evaluation

Evaluation als wissenschaftlicher Gegenstand und als eigenständiges Instrument entwickelt sich etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts und gewinnt seither zunehmend an Bedeutung. Ihren Ursprung hat die Evaluationsidee in der Kybernetik, einer wissenschaftlichen Disziplin, die sich für die Steuerung beispielsweise technischer oder personeller Systeme interessiert.

Grob lässt sich sagen, dass sich mit Joseph M. Rice (1857-1934) Evaluation zunächst stark am Konzept der Messung orientierte. Der Kinderarzt und Pädagoge Rice führte die erste international bekannt werdende externe Evaluation des amerikanischen Schulsystems durch. Aufgrund der hohen Qualität, die seine Ergebnisse durch den externen, das heißt den „unabhängigen Blick von außen“ auf das Schulsystem erlangten, wurde Rice infolge als der Initiator von Evaluation bezeichnet, – was allerdings nicht ganz richtig ist, denn es waren die Schweizer, die schon sehr viel früher ihre Schulen mittels Fragebögen extern evaluieren ließen.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts stand der dokumentarische Anteil von Evaluation in ihrem Vordergrund: Fokus wurde auf Prozessbeschreibungen gelegt. Eine Hinwendung zum Bewertungsaspekt zeichnete sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ab. Evaluation nicht nur als Dokumentations- sondern auch als Bewertungsinstrument zu begreifen beförderte die Entwicklung ihres heute geltenden Qualitätskriteriums der „Nützlichkeit“.

Aktuell setzen Evaluationen oft auf den Aspekt der Responsivität. Als responsiv gilt etwas oder jemand, das/der empfänglich und gleichzeitig bereit und fähig ist, Impulse von außen anzunehmen, sich ihnen gegenüber aufgeschlossen zu verhalten und kreativ auf sie zu reagieren. Responsive Evaluationen haben eine geringe vorgegebene Strukturiertheit. Sie verlaufen zyklisch und sind so konzipiert, dass Gegenstand und Ergebnisimplementierung sich während des Evaluationsprozesses entwickeln und verändern können oder sogar sollen. Ihnen gegenüber stehen geschlossene Evaluationen mit einer hohen Strukturiertheit. Sie verlaufen linear. Ihr Programm ist im Vorfeld festgelegt und wird möglichst konsequent systematisch abgearbeitet. Von laufend neuen Anpassungen des Programms und von laufender Ergebnisimplementierung wird explizit abgesehen.