Interaktionsforschung im Überblick

Interaktionsforschung

Der Gegenstand von Interaktionsforschung ist das gemeinsame Handeln von Menschen.

Interaktionsforschung geht im Sinne der handlungstheoretisch ausgerichteten Sozialwissenschaft davon aus, dass der `Motor´ des menschlichen Miteinanders die gegenseitige Handlungsbeeinflussung ist. Sozial zu handeln, also gemeinsam mit jemand anderem in einen Interaktionsprozess verwickelt zu sein, heißt, gemeinsam und gleichzeitig mit dem oder den anderen diese Interaktion zu gestalten.

„Sozial“ bedeutet in der Interaktionsforschung also nicht, jemand anderem etwas Gutes zukommen zu lassen. Dieses Begriffsverständnis ist aus der Sozialen Arbeit, der Sozialpolitik oder der Sozialpädagogik, sowie populärgesellschaftlich beispielsweise im Zusammenhang mit Entwicklungs- und Förderprojekten bekannt. Es baut auf dem Bild einer hierarchischen Struktur (ein Gebender und ein Nehmender) auf.

Das Motiv jeder Interaktion ist eine Handlungsbeeinflussung, also der Wunsch, beim anderen eine Wissensänderung herbeizuführen. Hierdurch soll ein gemeinsames Ziel erreicht werden. Dem Partner  wird etwas mitgeteilt, was dieser verstehen und daraufhin sein Verhalten in einer gewünschten Richtung weiterführen soll.

Interaktion lässt sich einerseits in recht einfachen Formen darstellen (direkte Interaktion), andererseits verläuft sie meistens anspruchsvoll und in höchst komplizierten Strukturen (symbolisch vermittelte Interaktion = Kommunikation).

Interaktionsforschung legt einen Begriff der `Sozialen Handlung´ zugrunde, der sich von dem alltagssprachlichen Verständnis sowie von den behavioristischen Ansätzen unterscheidet. Im Sinne einer behavioristischen Sozialwissenschaft versteht man unter „Interaktion“ eine Reiz-Reaktionsbeziehung als gegenseitige Beeinflussung zwischen A und B: As Verhalten wirkt als Reiz für das Verhalten von B und ist selbst eine Reaktion auf die Reize, die Bs Verhalten darstellt. Behavioristische Interaktion meint, Interaktion ließe sich in nacheinander geordnete Maßeinheiten von Reiz und Reaktion zerlegen.

Demgegenüber begründet die handlungstheoretisch orientierte Sozialwissenschaft, dass alle Interaktionsbeteiligten jederzeitig gemeinsam und gleichzeitig den Interaktionsprozess gestalten. Für alle folgenden Handlungsschritte ist zudem bedeutsam, was jeder Beteiligte annimmt und von sich und den anderen erwartet. Insofern lässt sich Interaktion nicht in eine kleinere Maßeinheit zerlegen als in das Zusammenwirken aller Beteiligten: Selbst der kürzeste Interaktionsmoment wird von allen Beteiligten gleichzeitig gemeinsam erlebt und gestaltet.